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Unfall auf der A14
von Thomas Lieb
„Am Mittwoch hätte der Junge seinen Meisterbrief erhalten“
Auf der A14 zwischen Grimme und dem Dreieck Nossen gehen 25 Strassenwärter der Autobahnmeisterei Döbeln einer gefährlichen Arbeit nach.
Peter Schneider macht einen geknickten Eindruck. Der stellvertretende Chef der Autobahnmeisterei Döbeln hat seine Hände tief in den Hosentaschen vergraben, sein Blick ist leer. “Wissen Sie, so ein Unfall, geht nicht spurlos an einem vorüber. Wir haben einen jungen Kollegen verloren, müssen aber trotzdem zur Tagesordnung übergehen – was bleibt uns schon übrig... „Über das Unglück vom Montag mag von den orangenen Arbeitern niemand reden. Der Tod wird verdrängt, nicht verarbeitet. Zu deutlich ist die Gewissheit, dass es einen jederzeit selbst erwischen kann. Die meisten Mitarbeiter sind jetzt draussen. Draußen – das ist die Arbeitsstelle der 25 Döbelner Strassenwärter. Die 52 Kilometer lange Teilstrecke der A14 zwischen Grimma und dem Dreieck Nossen. Der Junge war 25 und ausgelernter Strassenwärter. Am Mittwoch hätte er seinen Meisterbrief erhalten. Peter Schneider winkt ab und dreht sich weg.... Unterwegs auf der A14 in Richtung Leising erzählt er, was die „Orangenen“ Tag für Tag zu leisten haben. „Viele Autofahrer verstehen es nicht. Eine Autobahn ist wie ein komplexes grosses Grundstück. Das muss unterhalten und gepflegt werden. Fahrbahnerhaltung, Entwässerung, Grünpflege und und und. Bist du hinten fertig, fängst du vorn wieder an.“
Wenige hundert Meter weiter steht Schneiders Kollege Frank Größler. Einer der erfahrenen Strassenwärter. Er ist seit 1982 dabei. Heute sichert er mit einem der sechs Gross - Lkw der Autobahnmeisterei eine Wanderbaustelle zwischen Leising und Strocken ab. Wohl war ihm dabei noch nie. „Aber es muss ja sein. Und wenn die Autofahrer geistesanwesend sind, passiert auch nichts“, versucht er die Umstände gelassen zu sehen. Bedrohlich, dieses Gefühl zwischen Grünstreifen und Fahrbahn zu stehen. Es zischt und pfeift von allen Seiten. Das Unterhalten fällt schwer – das eigene Wort ist kaum zu verstehen. „Am schlimmsten sind die Kraftfahrer, die den Tempomat einschalten, Zeitung lesen oder einfach mal einschlafen während der Fahrt. Wir haben hier viel gesehen – Dinge, ausserhalb jeglichen Vorstellungsvermögens“, berichtet der Chef.
Frank Größler und Peter Schneider schauen zu, wie ein Untersuchungsfahrzeug die Kanäle unter der A14 inspiziert. Eine Kamera liefert Bilder von der Schäden und zeigt, was repariert werden muss. Unter der Fahrbahn ist es nicht gefährlich, nur etwas dunkel und feucht. Oben geht es mit knapp 100 Kilometer pro Stunde an den rot – weissen Absperrkegeln vorbei. Ein schwarzer Audi hat locker 60 Sachen mehr drauf und rast hupend durch die Baustelle – Schneider schüttelt nur den Kopf und geht zu seinem Wagen zurück. „Tages- und Wanderbaustellen sind die Schlimmsten. Die Absicherungen, die wir nach gesetzlichen Richtlinien aufstellen und der gesunde Menschenverstand sind unser einziger Schutz.“ Bei mehreren tausend vorbeifahrenden Autos eine Versicherung ohne jegliche Garantie.
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